Der Erste Weltkrieg ist zu Ende – nun soll wieder das normale Vereinsgeschehen im Turnverein Waldau beginnen. Doch schnell wird klar, der Krieg hat Lücken gerissen. In diesem Bericht wird sehr ausführlich Bilanz gezogen über den Krieg und die Auswirkungen auf den Verein, aber auch über die Zahl der Mitglieder vor und nach dem Krieg. Wer ist gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft, welche Orden wurden errungen? Wie geht es nach den politischen Umwälzungen für den Verein weiter? Doch lest selbst ...

General=Versammlung am 2. Februar 1919
Tagesordnung:
1. Geschäfts- Turn- und Kassenbericht
2. Neuwahl des Vorstandes
3. Verschiedenes

Anfang: 3:30 Uhr
Besucher: 54 Mitglieder
Protokoll geführt von Georg Neumann

Punkt I: Turngenosse Konrad Rode begrüßt die erschienenen Mitglieder insbesondere die aus dem Felde zurückgekehrten und ermahnt alle, dazu beizutragen, daß der Verein auch in Zukunft das werde, als wie der Verein im Jahre 1914 gestanden habe. Turngenosse Valentin Rode trägt den Bericht vom 1. Mobilmachungstage bis zum heutigen Versammlungstage vor.
Er führte etwa folgendes aus:

Liebe Turngenossen, als wir im Mai 1914 unser schön verlaufenes 25. jähriges Stiftungsfest feierten, dachte noch niemand daran, daß in wenigen Monaten der furchtbarste Krieg den die Welt je erlebt über unser Volk und Vaterland hereinbrechen würde. Auch, daß unsere Turnsache so gewaltigen Schaden erleiden würde hatte wohl niemand erwartet. Auch unser Turnverein wurde gleich bei der Mobilmachung  schwer getroffen mussten doch in den ersten Tagen 34 Mann eintreten. Das Turnen wurde aufrecht erhalten. Mit der Zeit wurden immer mehr Turner eingezogen. Die Turnleiter wechselten, doch immer wieder wurden dieselben eingezogen und mit ihnen fast alle Turner zwischen 18 und 49 Jahren. Nach 2 Jahren war der Turnplatz leer.
Im Frühjahr 1917 nahm Turngenosse Valentin Rode aus dem Felde zurück gekehrt das Turnen wieder auf. Nach einigen Monaten musste er jedoch wegen einem im Felde zugezogenen Leiden den Turnbetrieb wieder einstellen. Im Frühjahr 1918 eröffnete derselbe mit 3 Turnschülern wieder die Turnstunden. Nach und nach stieg die Zahl der Turner auf 15 Mann. Durch die Belegung des Saales mit einem Lazarett wurde im Oktober 1918 das Turnen wieder unterbrochen. Während des Krieges wurden 2 Wettturnen von jüngeren Turnern beschickt und auf beiden eine Anzahl Preise errungen. Das Wehrturnen 1916 in Cassel und das Bezirkswettturnen 1918 in Bergshausen. Der Turnleiter Valentin Rode übernahm als Gauturnwart vertretungsweise den II. Bezirk des Gaues. Im ganzen rückten vom Verein 78 Mitglieder von rund 90 zum Heere ein. Von diesen 78 starben 16 Mann den Heldentod. 1 Mann wird vermisst, drei Mitglieder kamen in Gefangenschaft. Es fielen folgende Turner:

1.    Dietrich Ullrich
2.    Johannes Kördel
3.    Heinrich Brede
4.    Martin Göbel
5.    Martin Schäfer
6.    Karl Nikel (?)
7.    Wilhelm Römer
8.    Konrad Bergmann
9.    August Ehmer
10.   Wilhelm Wahl
11.   Karl Hesse
12.   Heinrich Werner
13.   Ernst Römer
14.   Karl Gebhardt
15.   Andreas Wezel
16.   Adolf Bachmann

Vermisst wurde Valentin Orth.
In Gefangenschaft kamen:
1.    Georg Jäger
2.    Jakob Semmelroth (England)
3.    Willi Köhler

Während des Krieges verstarben folgende Mitglieder:
1.    Justus Zeimeck (?)
2.    Nikolaus Gunkel
3.    Heinrich Gebhardt

so daß unser Verein während des Krieges 20 Mann an Toten verlor, über 1/5 des gesamten Bestandes. Während des Krieges erhielten aber auch zahlreiche Mitglieder für Tapferkeit vor dem Feinde Orden und Ehrenzeichen. Folgende Turner erhielten das Eiserne Kreuz beziehungsweise Ehrenzeichen:

1. Georg Neumann I. und II. Klasse
2. Ludwig Sinning EK II
3. Wilhelm Reinbold EK II
4. Hans Wollenhaupt EK II
5. Heinrich Gebhardt EK II
6. Adam Gebhardt EK II
7. Wilhelm Wahl EK II
8. Gustav Rüppel EK II
9. Karl Schmidt EK II
10. Wilhelm Huhn EK II
11. Willi Köhler EK II
12. Adolf Bachmann EK II
13. Heinrich Bergmann EK II
14. Willi Zuschlag EK II
15. Gustav Zuschlag EK II
16. Hans Siebrecht EK II
17. Wilhelm Siebrecht EK II
18. Konrad Fuhr EK II
19. Konrad Wahl EK II
20. Martin Mausehund EK II
21. Wilhelm Gebhardt EK II
22. Valentin Orth EK II
23. Jakob Schember EK II
24. Gustav Hildebrandt EK II
25. Justus Wolf EK II und Östr. Tapferk. Md.
26. Wolf Neumann EK II

Durch die politischen Umwälzungen in Deutschland blieben auch die Turnvereine der Deutschen Turnerschaft nicht unberührt. An einer ganzen Anzahl von Orten unseres Nordhessisch-Waldeckschen Turngaus gingen Vereine zur freien Turnerschaft über. Auch in unserem Verein ist der Antrag vom Turngenossen Gustav Schmidt zur nächsten Versammlung gestellt worden.

Nach diesem Bericht erstattete Turngenosse Süße den Kassenbericht. Derselbe wurde von den beiden Kassenprüfern Konrad Brede und Martin Mausehund geprüft und für richtig befunden. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt.

Die Einnahmen betrugen 1918 ...
Die Ausgaben betrugen 1918 ...
Überschuss 1918 ...
Das Sparvermögen beträgt ...
Das Gesammt-Barvermögen beträgt ...
(Zahlen wurden nicht dokumentiert, Anm. des Verfassers)

Turngenosse Valentin Rode gab den Turnbericht bekannt. Es wurde an 17 Abenden geturnt mit 137 Besuchern. Durchschnitt 8 Turner. Im ganzen turnten 15 Mann. Gleichzeitig gab derselbe auch den Bericht vom letzten Kreisturntag in Göttingen bekannt. Sämtliche Berichte werden für gut befunden und angenommen.

II. Punkt. Neuwahl des gesammten Vorstandes:
Vorgeschlagen zum 1. Vorsitzenden wurde Valentin Rode. Derselbe wurde einstimmig gewählt und nahm das Amt an.
II. Vorsitzender: Vorgeschlagen wurde Willi Liebehenz. Selbiger wurde auf Aklamation (Beifall, Zuruf, Anm. des Verfassers) einstimmig gewählt.
I. Turnwart: Vorgeschlagen wurden Georg Neumann und Martin Mausehund. G. Neumann wurde einstimmig gewählt und nahm das Amt an.
II. Turnwart wurde durch Aklamation Martin Mausehund. Selbiger nahm das Amt an.
Kassierer: Vorgeschlagen wurde Konrad Brede: Derselbe wurde durch Aklamation gewählt und nahm das Amt an.
Schriftführer: Vorgeschlagen wurde Wolf Muster. Wurde trotz Abwesenheit in der sicheren Voraussetzung, daß er das Amt annimmt, auf Aklamation einstimmig gewählt.
Beisitzer: Vorgeschlagen wurde Heinr. Süße, Martin Grebe und Georg Fuhrmann. Durch Stimmenmehrheit wurden gewählt Süße und Grebe, welche das Amt annahmen.
Zeugwart: Vorgeschlagen wurde Konrad Wahl. Durch Aklamation einstimmig gewählt und nahm das Amt an.
Valentin Rode schlägt vor, dem Vereinsdiener statt 12 Mark 16 Mark zu bewilligen. Der Antrag wird angenommen.

III. Punkt: Verschiedenes:
Turngenosse Gustav Schmidt stellt den Antrag, als I. Punkt zur nächsten Versammlung zu stellen: Austritt aus der Deutschen Turnerschaft und Verschmelzung mit der freien Turnerschaft. Turngenosse Salzmann stellt den Antrag den 4 Mitgliedern Georg Jäger, Jakob Semmelroth, Heinrich Kratzenberg und Heinrich Wille je 15 Mark zu bewilligen. Valentin Rode stellt den Antrag, am 15. Februar zu Ehren unserer heimgekehrten Feldzugsteilnehmer einen Ball zu veranstalten. Selbiger Antrag wurde angenommen.
Schluß der Veranstaltung: 6:45 Uhr.
Valentin Rode

Am 22. Februar wurde der in der letzten Versammlung beschlossene Ball unter zahlreicher Beteiligung in schönster Weise gefeiert.